Tag X

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Tag X ist eine Serie, die ein historisches Ereignis in den Mittelpunkt stellt und die berühmte "Was wäre, wenn?" Frage stellt.

      Wir schreiben den 22.11.1963 und befinden uns in Dallas, Texas. Gegen 12:30 Uhr fallen 3 Schüsse aus einem Schulbuchlager. Einer davon trifft den Präsidenten der USA, John F. Kennedy, tödlich. Dies sind die Fakten ohne die komplexen Verschwörungstheorien, die sich um das Attentat ranken.

      Doch was wäre, wenn das Attentat nie auf JFK, sondern 10 Jahre später auf Richard Nixon verübt worden wäre? Diese Frage stellen sich die Autoren Fred Duval und Jean Pierre Pécau.

      Duval und Pécau stützen ihren Plot vornehmlich auf den Vietnam-Krieg, der auch in den Verschwörungstheorien eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Dabei spielen sie auch mit den Zeitebenen, wobei die Flashbacks dazu dienen, die Motivation des Attentäters dem Leser nachvollziehbar nahezubringen. Dies gelingt zweifellos und unterstützt mit einem zynischen Seitenhieb, dass die Regierung bzw. das Militär einmal mehr Elemente ausbildet, die sich dann irgendwann gegen sie selbst wenden. Auch auf politische Bündnisse im Hintergrund wird angespielt. Und wenn man auf Ereignisse aus den 70er Jahren anspielt, darf und kann der "ewige" Kissinger nicht weit sein. Bei seinem lässigen Gespräch am Pool gemeinsam mit Batista, der in dieser alternativen Geschichtsbetrachtung augenscheinlich die Macht in und über Kuba bewahren konnte, offenbaren sich die wahren Interessen der Drahtzieher des Attentats.

      Ähnlich, wie in seinem Klassiker Die Macht der Archonten, erklärt uns auch in dieser Serie Pécau die Geschichte, allerdings unter einer alternativen Betrachtung. Wenn auch Schwerpunkt und Ausgangslage der Serien völlig unterschiedlich sind, ist auch Tag X spannend erzählt. Es ist großartig, wenn Pécau und Duval Fakten aus 1963 aufgreifen und sie in einen vollkommen neuen und fiktiven Kontext stellen. So galt beispielsweise auch der Attentäter, Lee Harvey Oswald, als verwirrter Einzeltäter und verlorener Soldat. Nach diesem Muster wird auch French ausgewählt. Doch dies ist nur eine Querverbindung, die das Autoren-Duo aufgreift und die sie für ihren Plot neu aufsetzen. Dies so umzusetzen, bedarf einer ausgeklügelten Planung der Story, wobei es den Autoren gelingt, zunächst die Fakten aufzugreifen, um sich dann in ihrer Story kreativ auszutoben. Doch das eigentliche Kunststück ist, dass es den Autoren gelingt, sowohl den Geschichtskundigen wie -unkundigen eine gute, stellenweise mitreißende Story zu präsentieren. Für ein tieferes Verständnis ist es allerdings schon vorteilhaft, wenn man sich mal in der Vergangenheit mit dem Kennedy Attentat beschäftigt hat. Dafür sind einfach die mal mehr, mal weniger feinen Verwebungen mit ihren zynisch-ironischen Anspielungen zu wertvoll. So wird beispielsweise Nixon in seiner typischen "Viktory-Pose" erschossen.

      Colin Wilson ist ein Künstler mit einem erstaunlichen Portfolio, der auch hier ein meisterhaftes Artwork abliefert. Seine Charaktere sind meistens kantig, was sie allein schon aus der Masse hervorhebt und sie interessant erscheinen lässt. Dies ist auch hier der Fall egal, ob es sich um French handelt oder seinen mysteriösen Auftraggeber handelt. Dabei hat er ein feines Gespür dafür, wann er mit seiner Panelarchitektur den Plot eher be- oder entschleunigen muss.

      Tag X ist also ein großartiges Debut der Paninis auf dem franko-belgischen Albensektor und zeigt, dass dort die Titel mit viel Augenmaß ausgewählt werden.
    • Ich finde es schon seit Ankündigung sehr schade, dass eine frankobelgische Reihe mal wieder nicht in chronologischer Reihenfolge veröffentlicht wird, sondern einfach mittendrin. Nun mögen es im Original abgeschlossene Ereignisse sein, die als Comic erzählt werden, aber warum der Panini-Band 1 die 5 der Originalreihe enthalten muss, verstehe ich nicht? Fand das damals schon bei diversen Alben-Reihen schade, die bei Carlsen oder Ehapa erschienen sind, dass teilweise willkürlich veröffentlicht wurde, nun setzt es Panini fort.... wie gesagt, finde ich schade!

      PS: Warum steht auf der Panini Homepage eigentlich DER Tag X?
      Ich dachte immer, Jour J heißt nur Tag X und Le Jour J heißt DER Tag X?

      Aber ich gestehe auch, Fremdsprachen waren in der Schule nicht meine Stärke und liegt über 20 Jahre zurück!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Homer_Jay ()

    • Könnte daran liegen, dass man mit dem Kennedy Attentat verkaufstechnisch leichter punkten kann.

      Zu Deiner Übersetzungsfrage kann ich nichts sagen. Wir hatten damals Französisch AG und Basketball AG zeitgleich liegen. Rate mal, wo ich hingerannt bin ;)
    • Da magst Du Recht haben, dass das Thema Kennedy am besten (verkaufstechnisch) zieht, den Gedanken hatte ich auch schon und oberflächlich betrachtete gibt es auch viele Bände der Reihe, die Frankreich als Schwerpunkt haben und (vielleicht) nicht so ziehen würden.

      Dennoch finde ich es schade, dass man mittendrin startet! Wie gesagt, dass keine Chronologie beachtet wird, hat mich früher schon bei anderen Verlagshäusern/Albenreihen gestört. Auch bei Superhelden fand ich das laaange schade, dass da teilweise bunt durch den Gemüsegarten veröffentlicht wurde!


      PS: Basketball als AG? Du gklücklicher! Bei uns gab es Schwimmen as AG!
    • Ich bin mir nicht ganz sicher, in welche Richtung Deine Frage schwerpunktmäßig geht, ich versuche mal beides abzudecken.
      Zur generellen Entscheidung der Veröffentlichungsweise: Tut mir Leid, aber ich kann nur meine früheren Erklärungen wiederholen, warum wir das so machen. Wenn das nicht ausreicht, fürchte ich, daß ich es nicht besser erklären kann. Aber ich finde es auch persönlich besser, eine Reihe mit einigen tollen Bänden zu haben (hinsichtlich Story und Zeichnungen) als eine vollständige Reihe, bei denen zwischendrin Bände sind, die zeichnerisch überhaupt nicht überzeugen und Inhalte zum Thema haben, die hierzulande niemanden interessieren, so daß zwangsweise die voraussichtlichen Verkaufszahlen eine Einstellung binnen kurzer Zeit nur logisch erscheinen lassen... Das wäre anders bei einer durchgehenden Geschichte oder bei einer Serie von einem festen Autoren/Zeichner (ja, ich versteh's bei Asterix und Lucky Luke auch nicht), aber so...? Jeder Band ist in sich abgeschlossen, (fast) jeder Band hat einen anderen Zeichner. Ich sehe eigentlich nur dann ein Problem, wenn man beide Ausgaben besitzt und nebeneinander stellen will, aber ich schätze, Originalausgaben-"Jour J"-Käufer in Deutschland lassen sich an einer Hand abzählen, und ob die unsere deutsche Ausgabe parallel kaufen...?
      Oder geht es Dir darum, warum F-5 zu D-1 und F-10 zu D-2 geworden sind? Weil wir diese beiden Bände als guten Einstieg für den Markt erachten. Das heißt nicht, daß wir F-1 bis F-4 oder F-6 bis F9 ganz auslassen. Wir arrangieren nur neu. Ein anderer der ersten französischen 10 Bände kommt im nächsten Frühjahr, und zweite weitere sind aussichtsreiche Kandidaten.

      P.S.: Ein Fehler, wird korrigiert.
    • Ah, schnellere Folgeposts.
      Ja, Colin Wilson als Zeichner ist halt einfach gut (vielleicht kommt er uns dieses Jahr nochmal besuchen, das wäre natürlich fein). Das Kennedy (bzw. jetzt Nixon)-Attentat zieht inhaltlich hinsichtlich der Bewerbung.
      Und hinsichtlich der Chronologie: Nun könnte ich zugespitzt sagen, daß selbst die französischen Ausgaben eigentlich nicht chronologisch erscheinen, wenn mann die Entstehung als Zeitpunkt heranzieht. Es gibt fertige Bände, die zugunsten von gerade entstehenden nach hinten verschoben werden... Der XIII-Mystery-Band von Colin Wilson zum Beispiel, der gerade in Frankreich erschienen ist, war schon Mitte des letzten Jahres fertig... wurde aber mit einem anderen vertauscht... 8)
    • Ich hätte es schön gefunden, die Reihe einfach von 1 – X zu veröffentlichen, von 2010 bis..., wie im Original!
      Vielleicht reagiere ich auch über, weil ich, gerade bei Alben, die Erfahrung gemacht habe, dass oft keine Chronologie eingehalten wird, manche Bände gar ausgelassen werden, mit unterschiedlicher Begründung! Auch habe ich die Erfahrung gemacht, dass manches am Ende ohne Abschluss hierzulande blieb. Für mich ist somit "mittendrin beginnen" (da kann ich mich auch täuschen und zu Unrecht urteilen) oftmals ein Zeichen, dass am Ende Bände ausgelassen werden. Die Reihe Jour J bietet, auf den ersten Blick, schon ab Band #1 (Les Russes sur la Lune) einiges, was gefallen könnte, aber mittendrin beginnen kann halt auch ein Zeichen sein, dass übersprungen wird (vielleicht gab es diesbezüglich auch schon eine Aussage und ich habe diese überlesen, ist ja ein recht großes Forum und ich will nicht den ganzen Tag vorm Internet hocken und Beiträge lesen)

      Aber das ist meine Meinung. Im Grunde kann ich es auch erst mal beim aktuellen Band belassen und schauen, was noch kommt und später immer noch nachkaufen!

      Und das Colin Wilson einfach gut ist, stimme ich gern zu, vor allem in Sachen Blueberry .

      Und zu Chronologie im Original, da kann man natürlich alles überspitzen. Es gibt Bände, die sind xxx entstanden, wurden aber erst xxx veröffentlicht, weil z.B. der Zeichner gestorben ist usw.! Auch gibt es gelegentlich diese "0-Nummern", wo ein Band an den Anfang gesetzt wird, welcher, zeitlich gesehen, der neuste wäre. Das ist mir alles schon klar. Gibt viel Pro und Contra!
    • Also ich persönlich finde es nicht so schlimm, wenn nicht mit Originaland 1 begonnen wird.
      Sind ia alles abgeschlossene Szenarien mit wechselnden Themen, und Colin Wilson mit einer
      dem Kennedyattentat angelehnten Story, ist für den Start des Panini-Albenprogramms nunmal
      ein Kundenfänger.
      Wobei der Originalband 1 mMn auf keinen Fall fehlen dürfte.

      Richtig schlechte Zeichnungen konnte ich bei den anderen Bänden der Serie nicht entdecken,
      vor allen die Bände in dene Maza und Kordey gezeichnet haben, sind für mich sehr ansprechend.
      Ob ich allerdings die sehr französisch lastigen Alben wirklich brauche, glaube ich nicht.

      Ich kann jedenfalls die Endscheidung für eine geänderte Reihenfolge ganz gut nachvollziehen.

      Wer sich mal ein Bild darüber machen möchte, was da alles auf uns zukommen könnte, und
      sich schon mal ein paar Seiten ansehen will, kann das auf der Delcourtseite machen:

      editions-delcourt.fr/serie/jou…s-russes-sur-la-lune.html
    • Tag X ist jetzt mein erstes Panini Album und ich fand es sehr gut!
      Die Entscheidung nicht in der Original-Reihenfolge zu Veröffentlichen halte ich für richtig,
      so hab ich mir diesen Band wegen dem Thema gekauft weil ich dieses faszinierend fand.
      Die Aufmachung des Albums finde ich 1a,bin gespannt auf Trigan.



    • Tag X, Band 1: Wer ermordete den Präsidenten?


      Vor einigen Monaten schlug die Nachricht in der deutschen Comiclandschaft ein wie eine Bombe: Panini Comics bringt europäische Alben! Sicher, in der Vergangenheit gab es immer mal wieder Comics wie die Manara Werksausgabe, aber Alben waren eher die Seltenheit. Doch nun kommen diverse neue frankobelgische Serien, aber auch Klassiker wie Trigan von Panini.
      In der Serie „Tag X“ wird es um alternative Geschichte gehen. Mich persönlich kann man damit ja eigentlich immer kriegen, egal ob es geschichtliche Themen sind (wie z.B. bei Rex Mundi) oder bei Marvel und DC mit „What if?“ oder „Elseworlds“. Überrascht war ich etwas von dem Thema, denn im Gegensatz zu diversen französischen Serien am Markt geht es hier nicht darum, daß der 2. Weltkrieg anders ausgegangen ist, sondern daß ein US-Präsident ermordet wurde, jedoch nicht 1963, sondern 1973.
      Neben den geschichtlichen (bzw. pseudo-geschichtlichen) Ereignissen erfahren wir viel von dem US-Soldaten Chris French. Dieser wurde 1944 im Elsass geboren, welches damals zum Deutschen Reich gehörte. Nach dem Krieg zog es die Familie in die USA, weil Chris‘ Vater als ehemaliger SS-Angehöriger wertvolle Informationen liefern konnte. Die Jugend von Chris verlief nicht optimal, und mündete in eine Mitgliedschaft bei den Hells Angels, und in den Vietnamkrieg. Dort kam seine spezielle Fähigkeit, das Töten, nun durch viel Übung zur Perfektion. Indes hat die Weltgeschichte sich anders zugetragen als in unserer Welt. Durch besondere Umstände ist Nixon an der Macht, aber noch mit schlimmeren Folgen als bei uns. Auch der Kalte Krieg verlief so anders als bekannt. Doch der Krieg in Vietnam nimmt weiter seinen Verlauf, und so ist Chris French immer noch in seinem Element. Doch dann kommt der Tag, an dem sein Leben in der asiatischen Hölle an einen Wendepunkt kommt…

      Fazit

      Der Band wurde von Fred Duval und Jean-Pierre Pécau geschrieben, die eine Fülle historischer Informationen verarbeitet, und einen anderen, schlüssigen Zusammenhang gebracht haben. Gezeichnet hat das ganze Colin Wilson (Blueberry, Star Wars, Tex uvm.). Dieser fängt die Stimmung der späten 60er und frühen 70er ausgezeichnet ein, egal ob auf den Straßen von Texas oder in dem Dschungel Indochinas. In den kommenden Bänden wird es auch andere Zeichner geben (Autoren bleiben gleich), es war also eine weise Entscheidung von Panini diesen Band, der eigentlich die Nummer 5 war, vorzuziehen. Colin Wilson hat viele Fans hierzulande, außerdem gibt es viele Leser, die sich für die Attentatsgeschichte um Kennedy interessieren – und das nutzt das Cover. Ein Blick auf die Seite Delcourts bringt viele weitere spannende Ideen ins Blickfeld, z.B. die erste Mondlandung, allerdings von der Sowjetunion oder einen 1. Weltkrieg, der vom Deutschen Reich gewonnen wurde. Bislang sind 8 Bände erschienen. Die Serie werde ich auf jeden Fall weiter verfolgen. Sehr gut ist auch die Verarbeitung des Bandes. Das Hardcoveralbum ist sehr wertig hergestellt, und kann sich am Markt sehr gut mit den Mitbewerbern messen. Schön wären noch eine kleine Künstlerbiographie und eine Liste mit sonstigen Werken der Künstler gewesen. Man darf gespannt sein, wie der Markt die neuen Paninialben aufnimmt. Mit Tag X hat der Verlag jedenfalls alles richtig gemacht.
    • „Alternative Geschichtsschreibung“ oder auch „Märchenstund hat Gold im Mund“ - da will uns etwa doch nicht jemand ein X für ein U vormachen...

      Das Vorgeplänkel spar ich mir an dieser Stelle ganz einfach mal, um gleich zusammen mit der - per Jumping Front Kick aus dem Rahmen getretenen - Tür ins Haus geballert zu kommen: Alsooo, bei „Der Tag X: 1“ handelt es sich, ganz pragmatisch und salopp ausgedrückt, um nicht viel mehr als eine aufgemotzte Punisher-Variante, eine x-beliebige Kriegsgeschichte mit Fokus auf einen traumatisierten und von der Kriegsmaschinerie weiterhin unterjochten „Helden“, vollgestopft mit Realdaten, Namen und Fakten. An Informationen mangelt es hier wahrlich nicht, was zum einen natürlich der Atmosphäre entgegenkommt, aber auch ungemein hilft den gesamten Band über einen Schein zu wahren, auf dessen Sein man allerdings bis zum Ende hin zu warten hat, leider vergebens .

      Statt „was wäre wenn“ könnte es genauso gut „es war einmal“ heißen, den Platz von Kissinger und Nixon könnten Hinz und Kunz ebenfalls adäquat ersetzen und wer letzten Endes die tödliche Kugel abbekommt ist sowieso nur eine reine Formsache - ein wirklich entscheidender Mehrwert zu einer rein fiktiven Erzählung mochte sich mir dabei nicht so recht erschließen. Und das bei einem ohnehin schon legendären wie legendenbildenden Mythos wie „Kennedy“.

      Dafür driftet der gesamte Verlauf dann doch zu weit von uns allseits bekannter Geschichtsschreibung ab, der realer Bezug und damit auch eine intelligente Verzahnungen zwischen „Realität“ und „Fiktion“ geht zunehmend verloren und mit ihr auch alle erdenklichen „Aha-Momente“. Also solche, bei welchen es einfach „Klick“ macht, ein inneres Lichtlein, ob der neu erschlossenen Zusammenhänge aufgeht oder perfide eingefädelte Verfälschungen die Kinnlade ein Stückchen nach unten sacken lassen, nur um diese dann wieder mit einem Flying Uppercut in Position richten zu können.

      Übrig bleiben dann wirklich nur eine alternative Version einer Geschichte, fast schon beliebig in ihrer Konstruktion und ein immer noch lesenswerter, vor allem handwerklich gut gemachter Comic, der aber weder besonders bemerkenswert ist, noch die Faszination rund um das Kennedy-Attentat verinnerlichen, geschweige denn zu vermitteln mochte. Ganz knappe, Knuckle Edge Punch mäßige 7/10.
    • Mein erster Post! Ich gehöre wohl auch zu denen, die sich tatsächlich wegen des Albenprogramms hier angemeldet haben!
      Und gleich geht’s los mit meiner Rückmeldung.

      Tag X:
      Mir gefällt das Konzept alternativer „Was wäre, wenn“-Geschichten. Ich finde es auch spannend, dass hier pro Album eine in sich abgeschlossene Geschichte gesponnen wird, also kein achtundzwanzig Bände umfassender Zyklus, der dann in den nächsten Zyklus übergeht. Kurz und knackig! Aber ist das dann nicht zuviel Stoff? Nun, ich kann sagen, ich habe den Band gleich zweimal hintereinander weg gelesen, weil da wirklich viele Querverweise und Anspielungen drinnenstecken. Nixon ist Präsident in seiner zweiten Amtszeit und überzieht Vietnam mit noch mehr Soldaten und Leid, Studentenproteste in USA werden niedergeschossen, die Verstrickungen mit dem Battista-Regime sind tief (herrlich: Kissinger!), aber ein entwurzelter Soldat wird angeheuert, Nixon zu töten – in Dallas… Aber überleben Attentäter eigentlich?
      Super gemacht, echt viel zu Lesen, tolle Zeichnungen von Altmeister Colin Wilson. Je mehr ich von dem sehe, desto mehr gefällt er mir. Zwar habe ich vorhin gesagt, mir gefällt es, wenn die Geschichte in einem Band abgeschlossen ist, aber hier könnte ich mir tatsächlich noch einen zweiten Band vorstellen…
      Die Aufmachung ist auch sehr gelungen. Panini schreibt ja selber, dass sie einen gewissen Standard haben wollen, nun, ich finde, hier haben sie hingelangt. Mir gefällt der matte Einband, das wirkt sehr edel. Ich hab das Gefühl, da steckt viel Liebe drin. Mal sehen, wie’s weitergeht. Band 2 wird wieder in USA spielen, ich bin schon gespannt, welche Bände sie danach auswählen.
      Daumen hoch!
    • Rezension zu # 2

      Duval und Pécau setzen ihre alternative Betrachtung der Geschichte fort. Wieder erschaffen sie eine völlig neue Realität mit einem gegenüber den Verhältnissen, die wir heute kennen, veränderten Rahmenbedingungen und Umständen. Gleichzeitig bedienen sie sich durchaus wiederum bekannter Verhältnisse und Strukturen.


      Die Ereignisse, von denen wir im vorliegenden Band lesen, spielen im Jahr 1947. Die Prohibition, die tatsächlich 1933 endete, ist hier noch im vollen Gange, auch wenn sie mit Joseph Kennedy, einer der größten Alkohol Schmuggler und gleichzeitig Präsidentschaftskandidat, abschaffen will. Gleichzeitig ist das Verhältnis zu Europa distanziert. mit mehr oder weniger Argwohn beobachtet man das Treiben des Kanzlers, Adolf Hitler. Der 2. Weltkrieg hat also noch nicht stattgefunden oder wird vielleicht auch niemals stattfinden. Deutschland hat nach einem Krieg, vermutlich dem 1. Weltkrieg, einen Teil seiner Gebiete im Jahr 1923 verloren. Auch hier bestehen Unterschiede. Die sog. Ostgebiete hat Deutschland aufgrund der Versailler Verträge von 1919 in 1920 abgeben müssen.


      Die USA, so wie wir sie heute kennen, gibt es auch nicht. Das Land ist in Neuengland und Neufrankreich geteilt. Spanien scheint ebenso eine Großmacht zu sein, weil sie u.a. Kuba kontrollieren.


      Vor diesem Hintergrund wollen die Söhne des Patriarchen der Kennedys, deren Sitz vor dem geschilderten Hintergrund von Hyannis Port, Massachusetts, nach New York auf einer letzten Tour Schnaps von Neufrankreich nach New York schmuggeln. Natürlich kann solch eine Tour nicht reibungsfrei verlaufen.


      Die Story ist spannend geschrieben, auch wenn es sich um einen Rückblick handelt und wir den Ausgang der Ereignisse bereits auf den ersten Seiten geschildert bekommen.


      Wir sehen verschiedene Personen, deren Auswirkung auf den Plot mal mehr, mal weniger signifikant sind. Wenn es um Prohibition und Schmuggel geht, dürfen natürlich Mafia Größen wie Meyer Lansky, Al Capone oder auch Bugsy Siegel nicht fehlen. Beiläufig wird erwähnt, dass Siegel mitten im Indianerreservat die verrückte Idee, ein Casino zu bauen, verfolgt. Las Vegas ist also in dieser Realität noch nicht gegründet bzw. wurde dort noch kein Casino errichtet, was tatsächlich direkt nach dem 2. Weltkrieg in 1946 geschah. Ich schlüssle diese Randnotizen auf, um zu verdeutlichen, dass dieser Plot mit viel Liebe zum Detail geschrieben wurde. Und wenn wir von und über die Kennedys lesen, dürfen natürlich eine gewisse Norma Jean Baker, die wir besser als Marilyn Monroe kennen, und auch Jacqueline Bouvier nicht fehlen. Beide Damen spielen auch in dieser fiktiven und alternativen Geschichtsschreibung ihre Rolle. Auf Marilyns Naivität wie auch auf ihre Versagensängste im Film- und Showgeschäft wird deutlich, wenn auch nur in 1-2 Panels, angespielt.


      Duval und Pécau setzen auch im vorliegenden Album auf das bewährte Konzept, das wir aus Band # 1 bereits kennen. Damit ist natürlich nicht nur die alternative Geschichtsschreibung gemeint, sondern auch der modus operandi. hierzu gehören eine feine Ironie, die sich oft in Nebensätzen oder Randbemerkungen verbirgt. So denkt JFK darüber nach, ob er Jacqueline Bouvier in einem anderen Leben vielleicht näher kennenlernen würde. Nicht unerwähnt möchte ich in diesem Zusammenhang auch die optisch veränderte und an anderer Stelle aufgestellte Freiheitsstatue (siehe Cover) lassen.


      Das Setting und die Charaktere sind bis ins letzte Detail durchkonjugiert, was dann auch den Reiz des Bandes ausmacht. Nicht zuletzt deswegen sind hier bei weitem nicht alle Anspielungen, die auch nicht vor dem Einfluss der Mafia in die Unterhaltungsindustrie Halt machen, aufgeführt. Der Zusammenhang zu Band # 1 ist eher loser Natur und beschränkt sich primär auf das Artwork von Colin Wilson, der erneut eine grandiose Leistung abliefert.


      Panini hat mit Tag X einen echten franko-belgischen Schatz gehoben. Wir dürfen gespannt sein, was wir da noch präsentiert bekommen.
    • ;) Sehr schön von Jameson Rezensiert.
      Für mich ein absoluter Hammerband mit einem Artwork von Wilson das eines seiner besten überhaupt ist.
      Sehr stimmungsvoll koloriert.
      Wer auf gute FB Comics steht der muss den Band kaufen!
      Schöne Perlen die Ihr da hebt :thumbsup: